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Guam ist eines dieser Reiseziele, über das die meisten Europäer sehr wenig wissen. Das kleine US-Territorium liegt mitten im westlichen Pazifik, gehört zu Mikronesien und überrascht mit einer faszinierenden Mischung aus tropischen Traumstränden, bewegender Kriegsgeschichte, lebendiger Chamorro-Kultur und einer Küche, die man so schnell nicht vergisst. Von Japan aus erreicht man die Insel in nur dreieinhalb Flugstunden, was erklärt, warum Guam besonders bei asiatischen Reisenden beliebt ist. Aber auch für Abenteurer aus Europa lohnt sich der weite Weg.
Wir haben die Insel ausgiebig erkundet und verraten euch hier die absoluten Highlights, die ihr auf Guam nicht verpassen solltet. Wir starten mit den Attraktionen, die einen netten Besuch wert sind, und steigern uns bis zu den Orten, die ihr auf keinen Fall verpassen dürft.
10. UnderWater World
Das UnderWater World in Tumon ist eines der bekanntesten Ausflugsziele auf Guam. Das Aquarium beherbergt einen der längsten Unterwassertunnel der Welt und zeigt Haie, tropische Fische, Rochen und Korallen aus nächster Nähe. Besucher können sogar ein Abendessen im Tunnel buchen und neben den Meeresbewohnern speisen.
Wir haben uns allerdings bewusst gegen einen Besuch entschieden. So beeindruckend die Anlage auch sein mag: Wir sehen es kritisch, Meerestiere in Gefangenschaft zu halten. Besonders dann, wenn man sie wenige Meter entfernt in ihrem natürlichen Lebensraum erleben kann. Guam bietet fantastische Schnorchel- und Tauchmöglichkeiten direkt vor der Küste, ob in der Tumon Bay, am Riff vor Ritidian Point oder an den Bomb Holes in Piti. Dort begegnet man Schildkröten, bunten Fischschwärmen und Korallen in ihrer natürlichen Umgebung, ganz ohne Glasscheibe dazwischen. Wer die Unterwasserwelt Guams wirklich erleben möchte, sollte unserer Meinung nach lieber ins Wasser springen als durch einen Tunnel zu laufen.
9. Fort Nuestra Señora de la Soledad
Im verschlafenen Dorf Umatac im Südwesten der Insel stehen die Überreste von Fort Nuestra Señora de la Soledad, einer spanischen Festung aus dem 19. Jahrhundert. Das Fort erinnert an die über 300 Jahre dauernde spanische Kolonialherrschaft auf Guam.
Von den alten Kanonen aus hat man einen atemberaubenden Blick über die Umatac Bay und die bewaldeten Hügel der Umgebung. Der Ort ist selten überlaufen und bietet eine willkommene Ruhe. Umatac selbst gilt als der Ort, an dem der portugiesische Entdecker Ferdinand Magellan 1521 erstmals Guam betrat. Ein kleines Denkmal in der Nähe erinnert an dieses historische Ereignis. Die Fahrt durch den Süden der Insel lohnt sich allein schon wegen der malerischen Küstenstraße.
8. Chamorro-Küche: Guams kulinarisches Erbe
Das vielleicht überraschendste Highlight auf Guam ist das Essen. Die Chamorro-Küche vereint pazifische, spanische, amerikanische, japanische und philippinische Einflüsse zu etwas völlig Eigenem. Chamorro BBQ mit der legendären Finadene-Sauce (eine würzige Mischung aus Sojasauce, Zitrone, Zwiebeln und scharfen Paprika) gehört zu den Dingen, die man probiert haben muss.
Dazu gibt es den allgegenwärtigen Red Rice, der mit Achote-Samen gefärbt wird und jede Mahlzeit begleitet. Kelaguen, ein Gericht aus gehacktem Hühnchen oder Meeresfrüchten mit Zitronensaft und Kokosnuss, ist ein weiterer Klassiker. Und zum Nachtisch solltet ihr Latiya probieren, einen cremigen Kuchen mit Vanillepudding. Die beste Gelegenheit, all diese Gerichte zu probieren, bietet der Mittwochs-Nachtmarkt im Chamorro Village, aber auch abseits davon findet ihr auf der ganzen Insel kleine lokale Restaurants, die authentische Chamorro-Küche servieren.
7. War in the Pacific National Historical Park
Guam spielte im Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle im Pazifikkrieg. Der War in the Pacific National Historical Park erstreckt sich über mehrere Standorte auf der Insel und erinnert an die japanische Besatzung von 1941 bis 1944 sowie an die anschließende Befreiung durch die US-Streitkräfte.
Die verschiedenen Gedenkstätten, Bunker und Strände erzählen die Geschichte auf eindrucksvolle Weise. Am Asan Beach Point könnt ihr die ehemaligen Landungsstrände besichtigen und entlang der Küste wandern, wo noch immer Überreste von Geschützstellungen und Bunkern zu sehen sind. Das zugehörige Besucherzentrum liefert umfassende Hintergrundinformationen mit Fotos, Karten und persönlichen Berichten. Für Geschichtsinteressierte ist dieser Park ein absolutes Muss, aber auch wer sich sonst weniger für Kriegsgeschichte begeistert, wird von der emotionalen Wucht dieser Orte berührt sein.
6. Tumon Bay
Die Tumon Bay ist das touristische Herz von Guam, und das aus gutem Grund. Das ruhige, kristallklare Wasser fühlt sich eher wie ein riesiger natürlicher Swimmingpool an als wie offenes Meer. Perfekt zum Schwimmen, Schnorcheln, Stand-Up-Paddling und Kajakfahren.
Doch die wahre Magie liegt unter der Wasseroberfläche. Das vorgelagerte Riff schützt die Bucht vor starken Strömungen und schafft ideale Bedingungen, um bunte Korallen und tropische Fische direkt vom Strand aus zu entdecken. Abends verwandelt sich die Gegend rund um die Bucht in eine lebhafte Meile mit Restaurants, Bars und Shoppingmöglichkeiten. Das Beste: Viele der Hotels bieten direkten Strandzugang, sodass ihr morgens nur wenige Schritte bis zum Wasser braucht.
5. Ritidian Point
Ganz im Norden der Insel liegt Ritidian Point, ein geschütztes Naturschutzgebiet mit einigen der schönsten und ruhigsten Strände Guams. Der strahlend weiße Sand, das unglaublich klare Wasser und die üppige Vegetation machen diesen Ort zu einem echten Naturparadies.
Das Gebiet ist Teil des Guam National Wildlife Refuge und beheimatet verschiedene einheimische Vogelarten und Meeresschildkröten. Neben dem Strandbesuch lohnen sich die kurzen Wanderwege durch die tropische Landschaft. Ritidian fühlt sich wie ein Gegenentwurf zum touristischen Tumon an: Hier seid ihr oft fast allein, umgeben von unberührter Natur. Beachtet, dass das Gebiet feste Öffnungszeiten hat und bei Flut oder schlechtem Wetter geschlossen sein kann.
4. Inarajan Natural Pool
Im ruhigen Süden der Insel, fernab der touristischen Hotspots, liegt der Inarajan Natural Pool. Diese natürlichen Meerwasserbecken wurden über Jahrhunderte durch Erosion in das vulkanische Gestein gewaschen und bieten ein einzigartiges Badeerlebnis. Während die Brandung gegen die äußeren Felsen prallt, schwimmt man in den geschützten Becken in erfrischend kühlem, kristallklarem Wasser.
Der Ort fühlt sich an wie ein gut gehütetes Geheimnis. Einheimische kommen seit Generationen zum Schwimmen hierher, und an einem ruhigen Nachmittag habt ihr die Pools fast für euch allein. Ein alter Sprungturm am Beckenrand ist längst zu einem ikonischen Fotomotiv geworden. Wenn ihr schon in der Gegend seid, lohnt sich ein Spaziergang durch das historische Dorf Inarajan selbst: Hier findet ihr gut erhaltene spanische Kolonialarchitektur und eine friedliche Atmosphäre, die sich wohltuend vom geschäftigen Norden unterscheidet.
3. Pagat Cave und Küstenwanderung
Für Abenteuerlustige ist die Wanderung zur Pagat Cave ein absolutes Highlight. Der Trail beginnt an der Route 15 zwischen Yigo und Mangilao und führt über gut eine Meile durch dichten Dschungel, bevor er steil über Kalksteinfelsen hinab zur Höhle abfällt. Insgesamt überwindet man rund 120 Höhenmeter.
Die Pagat Cave selbst war einst Teil eines antiken Chamorro-Dorfes und beherbergt einen unterirdischen Süßwasserpool, in dem man bei völliger Dunkelheit schwimmen kann. Eine Stirnlampe und festes Schuhwerk sind Pflicht. Wer nach dem Höhlenschwimmen noch Energie hat, folgt dem Trail weiter zur Küste, wo dramatische Klippen und ein natürlicher Steinbogen spektakuläre Ausblicke auf den Pazifik bieten. Am Wochenende kann es voll werden, daher empfehlen wir, früh morgens zu starten. Packt ausreichend Wasser ein, denn der Rückweg bergauf ist schweißtreibend.
2. Chamorro Village Night Market
Jeden Mittwochabend erwacht das Chamorro Village in der Hauptstadt Hagåtña zum Leben. Der Nachtmarkt ist das kulturelle Highlight der Woche und zieht Einheimische wie Touristen gleichermaßen an. Über 40 Stände bieten lokale Handwerkskunst, Kleidung und vor allem Essen: gegrilltes Hühnchen mit Finadene-Sauce, Banana Lumpia, Red Rice und frisch zubereitete Meeresfrüchte.
Zwischen den Essensständen gibt es traditionelle Chamorro-Tanzvorführungen, Live-Musik und eine Atmosphäre, die so authentisch ist, dass man sich sofort als Teil der lokalen Gemeinschaft fühlt. Der Nachtmarkt ist ohne Zweifel der beste Ort auf Guam, um die lokale Kultur hautnah zu erleben und gleichzeitig fantastisch zu essen. Plant genug Zeit und vor allem genug Appetit ein.
1. Two Lovers Point (Puntan Dos Amantes)
Kein Guam-Besuch ist komplett ohne einen Abstecher zum Two Lovers Point, dem wohl bekanntesten Wahrzeichen der Insel. Die Aussichtsplattform thront 112 Meter über den türkisfarbenen Gewässern der Tumon Bay und bietet ein Panorama, das einem den Atem raubt.
Der Name geht auf eine tragische Chamorro-Legende zurück: Zwei junge Liebende, deren Verbindung von ihren Familien verboten wurde, banden ihr Haar zusammen und sprangen gemeinsam von der Klippe, um für immer vereint zu sein. Heute erinnern eine Statue und eine Wunschglocke an die Geschichte. Besucher läuten die Glocke und wünschen sich Glück für ihre Beziehung.
Unser Tipp: Kommt am späten Nachmittag, wenn das goldene Licht die Küste in warme Farben taucht. Der Eintritt kostet nur wenige Dollar und beinhaltet Zugang zur Plattform, einem kleinen Museum und einem Souvenirladen.
Fazit
Guam ist weit mehr als nur ein tropischer Strandurlaub. Die Insel verbindet Naturwunder, faszinierende Geschichte und eine herzliche Kultur zu einem Reiseerlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Ob ihr auf dramatischen Klippen steht, durch Dschungelhöhlen schwimmt, an einem einsamen Strand entspannt oder euch durch die lokale Küche schlemmt: Guam überrascht an jeder Ecke. Und genau das macht diese kleine Pazifikinsel so besonders.
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