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Brunei Darussalam. Ein Name, der bei den meisten Reisenden bestenfalls ein vages Achselzucken hervorruft. Eingequetscht zwischen den malaysischen Bundesstaaten Sarawak und Sabah auf der Insel Borneo, gehört das winzige Sultanat zu den am wenigsten besuchten Ländern Südostasiens. Und genau das macht es so besonders. Wer hierherkommt, findet keine Touristenmassen, keine überteuerten Souvenirshops und keine durchgetakteten Hop-on-Hop-off-Busse. Stattdessen erwartet euch ein Land, das mit stillem Selbstbewusstsein zwischen Tradition und Ölreichtum balanciert, umgeben von üppigem Regenwald und einer Kultur, die Gastfreundschaft noch wörtlich nimmt.
Wir haben Brunei auf unserer Reise durch Südostasien besucht und waren überrascht, wie viel dieses kleine Land zu bieten hat. Hier sind unsere fünf besten Erlebnisse, die ihr bei einem Besuch auf keinen Fall verpassen solltet.
5. Die bruneiische Küche probieren (auch wenn nicht alles überzeugt)
Bruneis Küche ist ein Schmelztiegel aus malaiischen, chinesischen und indischen Einflüssen, gewürzt mit lokalen Zutaten aus dem Regenwald und dem Meer. Und das Beste: Die Preise sind für ein Land mit einem der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt erstaunlich günstig, zumindest wenn ihr euch an die lokalen Garküchen und Märkte haltet.
Der beste Einstieg ist der Gadong Night Market, der jeden Abend seine Stände öffnet. Hier findet ihr alles, was die bruneiische Küche zu bieten hat, von gegrilltem Fisch mit Sambal über Satay-Spieße bis hin zu Soto, einer aromatischen Hühnersuppe mit Nudeln und Gewürzen. Die Auswahl ist riesig, die Portionen großzügig und die Preise so niedrig, dass man sich problemlos durch mehrere Stände essen kann.
Und dann ist da Ambuyat, das Nationalgericht. Wir sagen es ehrlich: Es war ein Erlebnis, aber nicht unbedingt ein kulinarisches Highlight für uns. Das Gericht besteht aus Sagopalmenmark, das zu einer klebrigen, fast durchsichtigen Masse verarbeitet wird. Gegessen wird es mit einer speziellen zweiteiligen Bambusgabel namens Chandas, mit der ihr die glibberige Masse aufwickelt und in verschiedene Saucen tunkt. Die Konsistenz erinnert an eine Mischung aus Tapetenkleister und Wackelpudding, der Eigengeschmack ist praktisch nicht vorhanden. Das klingt jetzt nicht gerade wie eine Empfehlung, aber genau darum geht es: Ambuyat zu essen ist weniger eine Frage des Geschmacks als ein kulturelles Erlebnis, das ihr euch nicht entgehen lassen solltet. Allein die Technik mit der Bambusgabel sorgt für Unterhaltung, und die Saucen, die dazu gereicht werden, sind teilweise wirklich lecker.
Für Frühaufsteher lohnt sich außerdem ein Besuch des Tamu Kianggeh, des ältesten Freiluftmarkts der Stadt direkt am Fluss. Hier kaufen die Einheimischen frisches Obst, Gemüse und lokale Spezialitäten ein. Die Atmosphäre ist authentisch und unverfälscht. Lasst euch von den Verkäufern beraten und probiert tropische Früchte, die ihr vermutlich noch nie zuvor gesehen habt. Und wer es süß mag: Kuih, die bunten bruneiischen Reiskuchen in allen Farben und Geschmacksrichtungen, kosten pro Stück nur wenige Cent und eignen sich perfekt als Snack für zwischendurch.
4. Die Omar-Ali-Saifuddien-Moschee bei Sonnenuntergang erleben
Wenn es ein Bild gibt, das Brunei definiert, dann ist es die Omar-Ali-Saifuddien-Moschee in der Hauptstadt Bandar Seri Begawan. Das Bauwerk aus weißem italienischem Marmor erhebt sich majestätisch über einer künstlichen Lagune und wird von einer goldenen Kuppel gekrönt, die im Sonnenlicht fast unwirklich leuchtet. Die Moschee wurde in den 1950er Jahren erbaut und gilt als eines der schönsten islamischen Gotteshäuser im gesamten asiatisch-pazifischen Raum.
Unser Tipp: Kommt kurz vor Sonnenuntergang. Wenn das warme Licht der untergehenden Sonne auf das Gold der Kuppel trifft und sich die gesamte Silhouette im stillen Wasser der Lagune spiegelt, entsteht ein Anblick, der euch den Atem raubt. In der Lagune liegt außerdem eine Nachbildung eines königlichen Zeremonialschiffs, die dem Ganzen eine fast märchenhafte Atmosphäre verleiht. Nicht-Muslime dürfen die Moschee außerhalb der Gebetszeiten betreten, sollten aber auf angemessene Kleidung achten. Lange Hosen und bedeckte Schultern sind Pflicht, Frauen sollten zusätzlich ein Kopftuch tragen.
Der Besuch ist kostenlos und die Umgebung der Moschee eignet sich hervorragend für einen ausgedehnten Spaziergang entlang der Uferpromenade. Von hier aus habt ihr auch einen wunderbaren Blick auf das Wasserdorf Kampong Ayer, das direkt gegenüber liegt.
3. Den Ulu-Temburong-Nationalpark entdecken
Brunei ist zu etwa 70 Prozent von primärem Regenwald bedeckt, und der Ulu-Temburong-Nationalpark im gleichnamigen Distrikt ist das grüne Herz des Landes. Der Park gehört zu den am besten erhaltenen Regenwaldgebieten Borneos und ist nur über eine Kombination aus Schnellboot und Langboot erreichbar, was allein schon ein Abenteuer für sich ist.
Das Highlight des Parks ist der Canopy Walkway, ein Stahlgerüst, das euch in rund 50 Meter Höhe über die Baumwipfel des Regenwalds führt. Der Aufstieg über die schmalen Leitern und Plattformen ist nichts für Menschen mit Höhenangst, aber die Belohnung ist ein Panoramablick, der seinesgleichen sucht. Von hier oben seht ihr nichts als endlosen, unberührten Dschungel, der sich bis zum Horizont erstreckt. Bei klarem Wetter könnt ihr sogar die Bergketten an der Grenze zu Malaysia erkennen.
Neben dem Baumwipfelpfad bietet der Park Möglichkeiten zum Schwimmen in kristallklaren Flüssen, Wanderungen durch den Dschungel und die Beobachtung einer beeindruckenden Artenvielfalt. Hornvögel, Gibbons und unzählige Schmetterlingsarten sind hier zuhause. Wichtig: Der Park ist nur im Rahmen einer organisierten Tour zugänglich, die ihr am besten im Voraus über eines der lokalen Tourunternehmen in Bandar Seri Begawan bucht. Eine Tagestour inklusive Transport, Guide und Mittagessen kostet in der Regel zwischen 80 und 150 Brunei-Dollar pro Person.
2. Kampong Ayer erkunden: Das größte Wasserdorf der Welt
Kampong Ayer ist kein Museum und keine Touristenattraktion im klassischen Sinne. Es ist ein lebendiges, pulsierendes Viertel, in dem rund 30.000 Menschen in Stelzenhäusern über dem Brunei River wohnen. Das Dorf erstreckt sich über eine Fläche, die größer ist als manche europäische Kleinstädte, und verfügt über eigene Schulen, Moscheen, Feuerwehrstationen und sogar Krankenhäuser. Die einzelnen Häuser und Gebäude sind durch ein Netzwerk aus Holzstegen miteinander verbunden, während Wassertaxis als wichtigstes Transportmittel zwischen den verschiedenen Bereichen pendeln.
Die Geschichte von Kampong Ayer reicht Jahrhunderte zurück. Schon der italienische Seefahrer Antonio Pigafetta, der Brunei im 16. Jahrhundert mit der Magellan-Expedition besuchte, beschrieb die Siedlung voller Bewunderung und nannte sie das "Venedig des Ostens".
Am besten erreicht ihr Kampong Ayer mit einem Wassertaxi vom Stadtzentrum aus. Die Überfahrt kostet nur wenige Brunei-Dollar und dauert kaum eine Minute. Einmal angekommen, könnt ihr durch die Gassen schlendern, das kleine Museum besuchen, das die Geschichte des Wasserdorfs dokumentiert, und mit den Bewohnern ins Gespräch kommen. Die Menschen hier sind unglaublich freundlich und laden euch vielleicht sogar auf einen Tee ein. Wer Glück hat, kann in den Mangroven am Rand des Dorfes Nasenaffen und Warane beobachten.
1. Nasenaffen in freier Wildbahn beobachten
Brunei ist einer der besten Orte der Welt, um Nasenaffen in ihrem natürlichen Lebensraum zu erleben. Die skurrilen Primaten mit ihren markanten, birnenförmigen Nasen sind auf Borneo endemisch, das heißt: Nirgendwo sonst auf der Erde gibt es sie in freier Wildbahn. Bruneis weitgehend intakter Küstenregenwald und die ausgedehnten Mangrovenwälder entlang des Brunei River bieten den Tieren ideale Lebensbedingungen, und die Chancen stehen hier deutlich besser als in vielen Teilen des benachbarten Malaysia oder Indonesien.
Die beste Möglichkeit, Nasenaffen zu sehen, ist eine Bootstour am späten Nachmittag auf dem Brunei River. Kurz vor Sonnenuntergang versammeln sich die Affen in den Baumkronen entlang der Flussufer, um ihre Schlafplätze für die Nacht einzunehmen. Die Boote nähern sich leise den Mangrovenbäumen, und mit etwas Geduld könnt ihr ganze Familiengruppen beobachten, wie sie durch die Äste klettern, fressen und ihre beeindruckenden Nasen zur Schau stellen. Die Männchen sind dabei besonders auffällig: Ihre Nasen können bis zu zehn Zentimeter lang werden und dienen sowohl der Partnerwerbung als auch der Verstärkung ihrer lauten Rufe.
Neben den Nasenaffen begegnet ihr auf diesen Touren häufig auch Silbernen Haubenlanguren, Makaken, Waranen und einer beeindruckenden Vielfalt an Vogelarten. Krokodile lassen sich in den Flussarmen ebenfalls regelmäßig blicken, also haltet die Augen offen. Die Touren werden von mehreren Anbietern in Bandar Seri Begawan organisiert und kosten in der Regel zwischen 40 und 80 Brunei-Dollar pro Person. Plant etwa zwei bis drei Stunden ein und bringt auf jeden Fall ein Fernglas und eine Kamera mit Zoomobjektiv mit.
Was die Nasenaffen-Beobachtung in Brunei besonders macht, ist die Ruhe. Während ähnliche Touren in Sabah oder Kalimantan oft mit mehreren voll besetzten Booten stattfinden, seid ihr in Brunei nicht selten das einzige Boot auf dem Fluss. Das bedeutet weniger Lärm, weniger Stress für die Tiere und ein intensiveres Naturerlebnis für euch.
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